Huntlosen, Insider Tipp von Farine

Mein Lieblingsplatz im Wildeshauser Land
Eine geschichtliche Betrachtung von Farine über Huntlosen und Umgebung



Huntlosen (= Huntloun, lohe = Wald, sen = hausen, bedeutung: Niederlassung am Huntewald) 

Bildquelle: Farine
Ein kleiner verschlafener Ort, der doch mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Es ist ein Vorort der Gemeinde Großenkneten und seid vielen Jahren (um genau zu sein fast 1200 Jahre) im Oldenburger Land namentlich bekannt. Jedoch sind das nur die fassbaren Daten, fragt man sich da nicht, was war davor, vor den ersten Aufzeichnungen? Im Jahre 827 wurde Huntlosen (damals noch Huntloun geschrieben) das erste Mal schriftlich erwähnt, dank dem Kloster Corvey, bei Höxter an der Weser. Schon in früheren Jahren versuchte man zu beweisen, dass der Ort an sich sehrviel Älter sei. In den Traditiones Corbeienses die 1843 erstellt wurden schien nämlich die 27 nicht die Jahreszahl gewesen zu sein sondern nur eine Fortlaufende Nummerierung. Da leider die Originale nicht mehr vorhanden sind, ist es jedoch schlecht zu beweisen, oder festzustellen, wie alt dieser kleine Ort denn nun wirklich sein mag. Jedoch gehört nicht nur Huntlosen zu meinem Lieblingsort. Vielmehr ist es der Dorfteil, den man heute Sannum nennt. Auch hier ist es umstritten, wie lange es schon exzistiert, und auch hier gab es schon verschiedene Schreibweisen. Um 1258 wurde es Sandum genannt, 1428 Sannem, das um in dem Namen entstand durch das alte Wort hem für Heimstätte. Im Jahre 1192 gehörten Ritter von Sandum gleich denen von Dolen (heute bekannt als Döhlen) zu den Mördern des Grafen Christian. 

Frühgeschichtlich ist ein Großsteingrab in der Nähe des Hegeler Waldes zu benennen, das Steingrab Wittenhöhe wurde schon im Jahre 1872 entdeckt und als Fundgrube für das staatliche Museum für Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg genutzt. Unweit dieser Fundstelle konnte man noch ein kleineres Steingrab ausmachen, welches aber nur noch von zwei Trägersteinen gesäumt ist. Weitere frühgeschichtliche Funde die verzeichnet wurden und auf ein wesentlich höheres Alter der Siedlung schließen lassen ist eine bronzezeitliche Urne, die 1948 auf einem Acker geborgen werden konnte. An diesem Platz konnten nach einer ausgiebigen Besichtigung im hellen Sandboden noch einige Reste von Leichenbrand gefunden werden. Das älteste Monument was jedoch in Huntlosen gefunden werden kann ist ein Mammutbaum, dem bei einem Gewitter die Spitze durch einen Blitzschlag abgetrennt wurde. 

Doch was hat das alles mit meinem Lieblingsplatz zutun? Das ist eine gute und berechtigte Frage! Ich kann dies mit etwas ganz einfachem Satz beantworten. Ich bin an Geschichte, Geschichten und der Vergangenheit sehr interessiert. Und an Orten, die viel zu erzählen haben, halte ich mich gerne auf. Meine Wege führen mich zu alten Kirchen, Gütern, Schlössern und ausgetretene Waldwege. Ich stelle mir vor, wie es gewesen sein mag, damals, was wohl die Bäume, die alten Mauern schon alles gesehen haben. Was würden sie uns erzählen, wenn sie es könnten? Und Huntloun/Huntlosen ist einer dieser Orte. So viele kleinigkeiten, die doch Stück für Stück eine so alte Geschichte erzählen. 

Auf dem Gut Huntlosen wurde ab dem Jahre 1650 durch Gustav Gustavson, Graf von Wasaburg, ein vorehelicher Sohn von Gusav Adolf von Schweden, das baufällige Gebäude teilweise von Grundauf neu gestaltet. Innerhalb von vier Monaten wurde es wieder bewohnbar gemacht. Doch sollte dieser nicht lange freude an seinem Huntloser Domizil haben. Zwischen dem 25.10. und dem 4.11.1653 richtete der gräfliche Richter Heidenreich Schlüter in Wildeshausen seiner ältesten Tochter die Hochzeit aus. Für Ihn war es eine große Ehre, unter den Gästen auch den Grafen Wasaburg zu begrüßen samt Gemahlin und Töchtern. Während der Feier Endete Gustavsons Leben. Als er mit der Braut den Ehrentanz beginnen will, trifft den übergewichtigen Mann der Schlag. Er stirbt im Alter von 37 Jahren und mit seinem frühen Tod stagnierte die Entwicklung des Guts Huntlosen. Vielleicht hätte es sich aufgeschwungen, eine längere Blütezeit erlebt und wäre länger erhalten geblieben, denn der kühne, unternehmungslustige und mit einem ausgeprägten Ehrgefühl und guten Geistesgaben erfüllte Mann hätte noch für manchen Aufschwung sorgen können. 

Doch was gehört zu einer Gemeinde, zu einem Ort, der so geschichtlich geprägt ist und der durch ein Kloster um 827 erstmals benannt wird unweigerlich dazu? Eine Kirche. Um genauer zu sein die St.-Briccius-Kirche. Das Kirchenspiel und die Dorfgeschichte sind kaum voneinander zu trennen. Ebenso bewundernswert ist es, dass nach nur 5 Jahren der Gründung des Kloster Corvey bei Höxter ein Mann namens Helmold es schaffte in die Schenkungsverzeichnisse aufgenommen zu werden. In diesem Schenkungsverzeichnis heißt es: 'Tradidit Helmold in huntloun masum unum' -- Helmold hat in Huntlosen einen Bauernhof geschenkt. Dieser wohlhabende Helmold über den nichts weiter bekannt ist, war scheinbar ein guter Christ, früher stiftete man nur Eigentum aus gläubigem Herzen, des Seelenheils wegen oder bei Eintritt ins Kloster. Auch interessant ist, dass die Kirche als Wehrkirche gebaut worden war um den Menschen in der Gemeinde Scutz bieten zu können wahrscheinlich vor durchziehenden räuberischen Rotten. In der Kirche wurden vor dem Altar bis 1714 die Pfarrer beigesetzt. Doch wurden Kellergewölbe unterhalb des Ganges der Kirche sowie Gewölbe unter dem Kirchhof ausgekundschaftet, die unter der Kirchenmauer hinweg miteinander verbunden sind. Die letzte Beerdigung die in den Kirchengewölben stattgefunden hat war jene von Henriette Polixene (von Wasaburg) im Jahre 1777. Ohne weiter darauf einzugehen benenne ich als besondere Stücke der Kirche die Orgel (deren Vorgänger ein kleines Positiv war. Es hatte keine Tastatur, kein Pedal und nur wenige Register. Im Jahre 1735 wurde durch Oberamtmann Hinüber zu Wildeshausen geschenkt. Graf Georg Moritz von Wasaburg hat seinen Stuhl der Canzel dazu gegeben), die Glocken, Christus am Kreuze (wurde im Jahre 1450 von einem unbekannten Künstler gefertigt), Der Taufstein (der in den Jahren zwischen 1678 und 83 den Weg in die Huntloser Kirche fand mit der Inschrift: Celsissimus Fernandus a Fürstenberg gratis sua poni jussit. Zu dem Taufstein gehörte lange Zeit ein hölzener Deckel mit einer fliegenden Taube), Kelch mit Patene (ist ein gotischer Kelch mit den Initialien: J.H.E.S.U.S und mit der Umschrift: gode. unde des. hilghen. geystes. kapellen. von. wildhusen. ist. die. kelyk.) 

Mit diesem kleinen Bericht schließe ich nun aber, und hoffe, dass er nicht nur geschichtlich interessant war sondern auch vielleicht den ein oder anderen nach Huntlosen mit seinen versteckten, Idyllischen Plätzen führt und man sich dort genauso wohl fühlt, wie ich! 

Farine 



Wir bedanken uns bei Farine für das Bild und den umfangreichen & informativen Beitrag zu ihrem Lieblingsplatz im Wildeshauser Land